Letztes Update am Fr., 11 Sep. 2026 11:22:56 +0200 von Andreas Potthoff
Interview geführt von Stephen Diamond am 10. November 2014 in Mountain View, Kalifornien
Bill wuchs auf einem Bauernhof nördlich von Philadelphia auf. Er begann ein Studium der Elektrotechnik an der Temple University, schloss dieses jedoch nicht ab. Nach einigen schlecht bezahlten Jobs bei kleinen Unternehmen zog er nach Arizona und besuchte dort die University of Arizona. Nach einer Zeit bei Philco Ford erhielt er eine Stelle bei Motorola, einem Unternehmen, das er als Branchenführer betrachtete. Zu Beginn seiner Tätigkeit nahm er an einem einjährigen Ausbildungsprogramm teil, das Stationen in vier verschiedenen Unternehmensbereichen umfasste.
Schließlich wechselte Bill in die Gruppe für Mikroprozessor-Design. Dort entwickelte er unter anderem einen PIA (Peripheral Interface Adapter), E/A-Puffer und Taktgeneratoren. Als Motorola ihn bat, nach Texas zu wechseln, entschied er sich stattdessen, seinem Kollegen Chuck Peddle zu MOS Technology in Pennsylvania zu folgen, um dort einen eigenen Mikroprozessor zu entwickeln. Gemeinsam mit einem halben Dutzend weiterer ehemaliger Motorola-Mitarbeiter machten sie sich an die Entwicklung des 6502 – eines Mikroprozessors, der den Motorola 6800 an Leistung übertreffen sollte.
Der 6502 erwies sich als spektakulärer Erfolg. Eines ihrer Hauptziele war es, ein Produkt zu entwickeln, das sich gewinnbringend zu einem Zehntel des Preises damaliger Mikroprozessoren verkaufen ließ. Sie waren der Ansicht, mit einem derart kostengünstigen Produkt zahlreiche neue Märkte erschließen zu können. Damit hatten sie großen Erfolg: Der Chip entwickelte sich zum Standardprozessor für Apple, Atari und sogar den BBC Micro in England.
Bill Mensch kehrte schließlich nach Arizona zurück und gründete dort das „Western Design Center“ (WDC). Das WDC entwickelte eine CMOS-Version des 6502; das Unternehmen ist bis heute auf dem Mikroprozessormarkt tätig.


